Es ist nur ein Wort, aber gefährlich. Wir haben nur ein Leben!
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Es ist nur ein Wort. Ein kleines, harmlos klingendes Wort.
Und doch trägt es eine der größten Gefahren in sich, die der menschliche Geist kennt: „Irgendwann.“
Ein Wort voller Hoffnung, und gleichzeitig voller Selbsttäuschung. Es ist die weiche Decke, unter die wir unsere Sehnsüchte legen, wenn wir nicht den Mut oder die Kraft haben, sie zu leben.
„Irgendwann reise ich ans Meer.“
„Irgendwann schreibe ich dieses Buch.“
„Irgendwann werde ich glücklich sein.“
„Irgendwann reise ich ans Meer.“
„Irgendwann schreibe ich dieses Buch.“
„Irgendwann werde ich glücklich sein.“
Doch das Irgendwann ist trügerisch. Es verspricht uns Zeit – und nimmt sie uns im selben Atemzug.
Das Irgendwann – der sanfte Aufschub des Lebens
Menschen neigen dazu, das Leben zu vertagen. Sie verschieben Träume, Entscheidungen, Geständnisse, sogar die Liebe, auf einen späteren Zeitpunkt, an dem alles günstiger, ruhiger, besser sein wird. Doch dieser Zeitpunkt kommt selten. Das „Irgendwann“ ist ein Meister der Verwandlung: Heute ist es eine Absicht, morgen eine Ausrede, und übermorgen nur noch eine Erinnerung. Es gibt keine Statistik über die Erfüllung oder das Verpuffen dieser aufgeschobenen Wünsche, aber eines ist sicher: Die meisten „Irgendwann“ bleiben unerfüllt. Sie lösen sich still auf, verschwinden zwischen Arbeit, Alltag und den leisen Verpflichtungen des Lebens. Nur selten wird ein „Irgendwann“ zu einem konkreten „Jetzt“.
Und genau darin liegt die Tragik: Das Leben selbst wartet nicht. Während wir unsere Träume aufschieben, vergeht die Zeit – unaufhaltsam, unbeeindruckt, unbarmherzig.
Irgendwann in der Zukunft – oder nie
In der Science-Fiction ist „Irgendwann“ ein Versprechen. Ein Morgen, an dem Menschen zu den Sternen reisen, die Welt retten, oder sich selbst überwinden. Doch im realen Leben ist „Irgendwann“ oft der Sargnagel des Möglichen. Vielleicht liegt darin die tiefste Ironie: Wir erschaffen Geschichten über ferne Zukünfte, über Technologien, die das Universum formen, und schaffen es doch so selten, die einfachsten Dinge jetzt zu tun. „Irgendwann“ ist das trojanische Pferd der Bequemlichkeit. Es klingt nach Hoffnung, doch es bedeutet oft Stillstand. Es gibt uns die Illusion, etwas noch tun zu können, ohne tatsächlich zu handeln.
Das Jetzt – der einzige Ort, an dem Zukunft entsteht
Vielleicht ist es an der Zeit, das „Irgendwann“ zu beerdigen. Nicht mit Bitterkeit, sondern mit Klarheit. Denn jedes „Irgendwann“ ist ein un-genutzter Moment – ein Stern, der nie leuchtet. Wer wartet, bis die Umstände perfekt sind, wartet auf etwas, das nicht existiert. Das Leben geschieht nicht morgen. Es geschieht jetzt, in dieser Minute, in diesem Gedanken, in dieser Entscheidung. Vielleicht sollte man das nächste Mal, wenn man das Wort „Irgendwann“ ausspricht, innehalten und fragen: Warum nicht heute? Denn die Zukunft beginnt nie in der Zukunft. Sie beginnt immer jetzt.
💫 Eine philosophische Betrachtung über Zeit, Aufschub und die Illusion der Erfüllung.
Das gefährliche Wort „Irgendwann“
