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Music Streamer Abzocke

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Rekordumsätze, Mini-Anteile: Warum Musiker beim Streaming noch immer unfair bezahlt, werden!

Streaming hat die Musikwelt wirtschaftlich stabilisiert, aber nicht automatisch gerechter gemacht. Spotify verweist in seinem aktuellen Bericht auf mehr als 11 Milliarden US-Dollar, die 2025 an die Musikindustrie ausgezahlt wurden. Gleichzeitig erklärt der Dienst selbst, dass weder Spotify noch andere große Streaming-Plattformen mit einem festen Betrag pro Stream arbeiten. Abgerechnet wird stattdessen nach Marktanteil am gesamten Streaming-Volumen. Das Geld fließt zunächst an Rechteinhaber wie Labels, Verlage oder Distributoren und erst danach – je nach Vertrag – an Künstler und Songwriter. Genau hier beginnt das Problem: Hohe Gesamtauszahlungen bedeuten nicht automatisch faire Einkommen für die Menschen, die die Musik machen.

Besonders umstritten ist, dass Spotify seit April 2024 Titel mit weniger als 1.000 Streams in den vergangenen zwölf Monaten nicht mehr in den Recorded-Royalty-Pool einbezieht. Offiziell soll das Manipulation und Mikroauszahlungen ohne praktischen Nutzen eindämmen. Faktisch stärkt diese Regel aber vor allem Songs, die ohnehin bereits Reichweite haben.
Für Nischenkünstler, Newcomer und kleinere Independent-Acts ist das ein Signal mit Sprengkraft: Wer unterhalb der Sichtbarkeitsschwelle bleibt, fällt im Vergütungssystem schneller hinten herunter. Diese Schlussfolgerung ist eine redaktionelle Einordnung, sie ergibt sich jedoch direkt aus der von Spotify beschriebenen Systemlogik. Dass die Debatte längst nicht mehr nur von Künstlern geführt wird, zeigt die Politik. Das Europäische Parlament stellte Anfang 2024 ausdrücklich fest, dass die Erlöse im Streamingmarkt nicht fair verteilt werden und eine Mehrheit von Autoren und ausübenden Künstlern nur sehr geringe Vergütung erhält. Gefordert werden transparentere Algorithmen, fairere Verteilungsmodelle und mehr Schutz kultureller Vielfalt. Auch in Großbritannien ist das Thema inzwischen politisch angekommen: Die Regierung verweist auf anhaltende Sorgen über niedrige Streaming-Einnahmen und unterstützt seit 2025 neue Branchenprinzipien, die unter anderem ältere Künstler, Songwriter und Session Musiker besser stellen sollen.

Dass Reformen möglich sind, zeigen erste Gegenmodelle. Deezer und Sacem haben in Frankreich 2025 ein „artist-centric“ Vergütungsmodell für Publishing-Rechte eingeführt. Es soll echte Künstler mit aktiver Fanbasis stärker belohnen, betrugsanfällige Mechaniken begrenzen und funktionale Geräuschinhalte aus der Vergütungsbasis herausnehmen. Songs von Künstlern, die monatlich mindestens 1.000 Streams von 500 verschiedenen Abonnenten erreichen, werden dabei höher gewichtet. Das ist noch keine Lösung für die gesamte Branche, aber ein klares Signal: Selbst Plattformen erkennen inzwischen an, dass das bisherige Streamingmodell in seiner Verteilung nicht mehr für alle tragfähig ist.

Der eigentliche Konflikt lautet deshalb nicht mehr, ob Streaming die Musikindustrie gerettet hat. Die wichtigere Frage ist, wen es trägt – und wen nicht. Solange Rekordzahlen vor allem als Branchenmeldung funktionieren, viele Musiker aber weiter von Streams allein nicht leben können, bleibt die Kritik berechtigt. Das Problem ist nicht nur die Höhe der Auszahlung. Es ist ein System, das Reichweite belohnt, Abhängigkeiten verstärkt und Fairness noch immer zu oft verspricht, statt sie zu liefern.
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