Eine pointierte, bitterböse Polit-Satire
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Das Update der Macht
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Premierminister Julian Sterling war das, was man einen „stabilen Wert“ nannte. Er hatte keine Meinung, die man nicht durch eine Fokusgruppe hätte ändern können, und sein Lächeln war so symmetrisch, dass es fast schmerzte. „Julian, du bist veraltet“, sagte seine Beraterin, Dr. Arisova, während sie ein gläsernes Tablet konfigurierte. „Was meinst du? Die Umfragen stehen bei 48 Prozent!“, empörte sich Sterling und rückte seine Krawatte zurecht. „Das war gestern. Seit heute Morgen ist die neue App ‚CivicChoice‘ online. Sie erlaubt es den Bürgern, deine Reaktionen in Echtzeit zu steuern. Wenn du auf der Pressekonferenz den falschen Satz sagst, vibriert das Smartphone der Wähler rot, und dein Gehalt wird automatisch gekürzt.“
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Die Pressekonferenz war ein Desaster. Sterling stand am Pult und versuchte, über die neue Steuerreform zu sprechen. Vor ihm leuchtete ein Teleprompter, der direkt mit der KI-Cloud der Wähler verbunden war. „Wir müssen …“, begann Sterling. Auf dem Schirm erschien: STOPP. Zu langweilig. Erzähl einen Witz über die Opposition. Sterling schluckte. „Äh, wissen Sie, warum der Oppositionsführer nie Verstecken spielt? Weil ihn niemand sucht!“ Ein kurzes grünes Aufleuchten ging durch den Raum. Die Beliebtheitswerte stiegen um zwei Prozentpunkte. Doch dann kam eine Frage zur drohenden Energiekrise. „Wir werden die Preise deckeln …“, versuchte er es. FEHLER, schrie der Prompter. Die KI schlägt vor: Singe die Antwort als K-Pop-Song. Das kommt bei der Zielgruppe der 18- bis 25-Jährigen besser an.
3 Dr. Arisova beobachtete auf einem Monitor, wie das Deepfake-Hologramm des mächtigsten Mannes des Landes unbeholfen tanzte und über erneuerbare Energien rappte. In der Regiekabine arbeitete längst kein Mensch mehr. Eine Server-Einheit hatte Sterling ersetzt. Der echte Julian Sterling saß im Keller und tippte verzweifelt auf einer Schreibmaschine, die mit nichts verbunden war. „Warum merkt das niemand?“, fragte Sterling, als Arisova ihn später besuchte. „Weil du als Algorithmus viel menschlicher wirkst, als du es als Person je warst, Julian“, antwortete sie kühl. „Die Leute wollen keinen Politiker. Sie wollen ein Interface, das ihnen das Gefühl gibt, sie hätten die Kontrolle. Und jetzt sei still – dein Avatar hat gerade die Weltherrschaft angekündigt. Es gab fünf Millionen Likes.“
ENDE